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Manfred Gerland

MÄNNLICH GLAUBEN. EINE HERAUSFORDERUNG FÜR DEN SPIRITUELLEN WEG


Kreuz Verlag, Freiburg 2014

Im ersten Teil des Buches von M. Gerland werden im Kapitel, "Männer und Religion- eine Problemanzeige", Gründe für die Kirchenferne der Männer dargelegt: Religion sei zur Frauensache geworden und Männer fühlen sich in einer überwiegend von Frauen geprägten Atmosphäre in den Kirchen nicht mehr beheimatet. Männer gehen daher ihre eigenen Wege. Sie glauben anders als Frauen, da ihr Gehirn und ihr Körper anders sind. Sie glauben dabei nicht an etwas ganz anderes, aber ihr Weg unterscheidet sich. Männer bevorzugen andere Zugänge zum Glauben. Vor allem in der Natur, in der Stille, in Seminaren und Männerwochen sind sie bereit, ihre Berufs- und Alltagswelt zu verlassen und sich auf Glaube und religiöse Sinnfragen einzulassen. Sie legen Wert darauf, dies selbstbestimmt und in Freiheit tun zu können.

Nach diesem eher analytischen Blick auf Männer und Glaube, verwendet Gerland die Legende von Christophorus, der Züge des archetypischen "wilden Mannes" trägt, als roten Faden für die weiteren Abschnitte des Buches. Auf seinem Weg der Suche nach der eigenen Berufung wird "Reprobus", wie er zunächst hieß, zum Fährmann, zum "Christusträger". Es erging ihm, wie vielen Männer heute auch: Er konnte mit traditionellen Formen des Glaubens nichts anfangen. Beten und fasten kam für ihn nicht in Frage. Er begab sich auf seinen eigenen Weg, der zu einer Art Heldenreise wurde, an dessen Ende eine tief greifende Transformation seines Lebens und Glaubens stand.

Gerland bindet verschiedene Themen, beispielsweise den Umgang mit dem Körper, die Bewältigung von Lebensübergängen, Sexualität, Macht und Ohnmacht, Krise der Lebensmitte in die Geschichte von Christophorus ein und ergänzt diese mit praktischen Übungen und Anleitungen. Mich hat die "Flussmeditation", durchführbar als Imaginationsübung, oder einem realen Fluss, in besonderer Weise angesprochen und berührt. In vergleichbarer Weise habe ich selbst schon, mit einer ähnlichen Übung, damit gearbeitet und konnte dabei gute Erfahrungen sammeln. Ebenso sind die weiteren Praxisimpulse, sei es die Übung "Gott in meinem Atem", die bioenergetische Körperübung, die Anleitung "Wie ein Baum", gut geeignet, sie selbst oder auch in Gruppen durchzuführen.

Dieses empfehlenswerte und anregende Buch von Manfred Gerland hätte einen anderen Titel als "Männlich glauben" verdient. Denn der Titel ist zumindest unglücklich gewählt, da dieses Buch nicht nur für Männer geschrieben ist. Gerland weist gleich zu Beginn darauf hin, dass die Attribute "männlich" und "weiblich" nicht nur biologisch zu verstehen sind, sondern damit unterschiedliche Wege des Glaubens beschrieben werden.

Das Buch eignet sich für Männer und Frauen bestens zur eigenen Lektüre, bietet aber auch die Chance, die einzelnen Abschnitte, z.B. in einer Männer- und Frauengruppe, zu bearbeiten. Die praktischen Anregungen geben hierzu hilfreiche Impulse.

Norbert Wölfle
Männerreferent